kommunikationswerkstatt
gut gelöste konflikte stärken

gewaltfreie kommunikation von M. Rosenberg

Die GFK ist sowohl ein Kommunikations-Modell, als auch eine Haltung, mit der wir uns selbst, anderen Menschen und dem Leben begegnen.

Der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) ist der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg (1934 – 2015), welcher auch als international tätiger Mediator bekannt wurde. Er war u.a. ein Schüler von Carl Rogers (Humanistische Psychologie, Klientenzentrierte Psychotherapie) und von Thomas Gordon (Gordon-Modell, Familienkonferenz).

Marshall Rosenberg hat spezifische Sprach- und Kommunikationsmuster identifiziert, von denen er glaubte, dass sie zu gewalttätigem Verhalten uns selbst und anderen gegenüber beitragen. Er nannte diese Kommunikationsform „Lebensentfremdende Kommunikation“. Einige Jahrzehnte hat er sich mit essentiellen Grundgesetzen aus Kommunikation, Psychologie und Pädagogik beschäftigt und daraus die GFK als ein klar strukturiertes Modell für eine „Lebensbereichernde Kommunikation“ entwickelt. Somit hat er die Fähigkeiten, die es für ein empathisches und bedürfnisorientiertes Zusammenleben braucht, „einfacher“ lehr- und lernbar gemacht. In dieser Hinsicht ist die GFK auch eine Hilfe zur Selbsthilfe, um mehr Empathie zu entwickeln. Marshall Rosenberg ging davon aus, dass es eines unserer wichtigsten Bedürfnisse ist, zu unserem eigenen Wohl und gleichermaßen zum Wohl anderer beizutragen.

Methodisch unterstützt die GFK dabei, unsere Aufmerksamkeit auf das Lebendige in uns und in anderen zu richten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gefühle und Bedürfnisse. Auf diese Weise lernen wir, klarer wahrzunehmen, was uns und andere im Inneren antreibt, nach was wir suchen und was wir brauchen. Wenn wir die Bedürfnisse hinter unserem Verhalten und dem Verhalten der anderen verstehen und berücksichtigen, können wir Konflikte überwinden und zufriedenstellende Verbindungen aufbauen.

Es gibt vier wesentliche Komponenten, vier sogenannte Schlüsselunterscheidungen in der GFK, die einerseits dabei helfen, sich klar und ehrlich auszudrücken und andererseits, empathisch zuzuhören.

1) Beobachten ohne zu Bewerten

Ein Konflikt entsteht, wenn unser Wohlbefinden durch eine konkrete Handlung beeinträchtigt wird. In der GFK wird dieses auslösende Ereignis als reine Beobachtung, frei von Bewertungen, Interpretationen und Gedanken, wahrgenommen und beschrieben.

„Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, zu beobachten ohne zu bewerten.“ (Krishnamurti, ein indischen Philosoph, 20. Jahrhundert)

2) Gefühle werden von Gedanken unterschieden

Das, was wir beobachten löst in uns Gefühle aus, die wir körperlich spüren können. Gefühle werden hier von Gedanken unterschieden. Bsp.: „Ich fühle mich ausgenutzt...“ ist ein Gedanke und eine Schuldzuweisung. Echte Gefühle, die hinter so einer Aussage stehen könnten, wären z.B. „Ich bin unzufrieden, traurig, unsicher ...“. Unangenehme Gefühle weisen auf unerfüllte Bedürfnisse hin.

3) Bedürfnisse werden von Strategien unterschieden

„Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es andere auch nicht.“ (Rosenberg)

Hinter jedem unangenehmen Gefühl steht ein verletztes Bedürfnis. Bedürfnisse dienen dem Leben, sie sind für alle Menschen universell und nicht verhandelbar.

Demgegenüber stehen konkrete Handlungen und Verhaltensweisen, die hier mit Strategien bezeichnet werden. Mit Strategien versuchen wir, uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Wir können ein Bedürfnis mit unendlich vielen Strategien erfüllen. Strategien sind verhandelbar.

4) Bitten werden von Forderungen unterschieden

Wenn wir wissen, was wir brauchen, damit unser Leben schöner und reicher wird und eine konkrete Idee haben, wie wir selber oder der andere dazu beitragen könnten, formulieren wir eine Bitte in konkreter Handlungssprache. Eine Bitte ist offen für ein „Nein“. Mit einer echten Bitte geben wir uns und anderen die Chance, autonom zu entscheiden, ob wir die Bitte erfüllen möchten oder nicht. Wir erlauben uns und anderen aus „freien Stücken“ zu handeln. Eine aus Angst, Scham und Schuld erfüllte Bitte belastet die Beteiligten und deren Beziehung.

1961 hat Marshall Rosenberg das Center of Nonviolent Communication in den USA gegründet, von wo die GFK verbreitet und in die Welt getragen wird. Mittlerweile wird die GFK in vielen Ländern und fast allen Lebensbereichen angewandt, wie z.B. Pädagogik, Bildung, Wirtschaft, Politik, Friedensarbeit in Krisengebieten, Coaching und Psychotherapie.